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sbundfest  
   

Aus der Geschichte der Kreis-ChorVereinigung Köln e.V.

Vormals: Sängerkreis Köln

Verfasst vom langjährigen Kreis-Pressewart
Theo Schäfer im Jahre 1988  ( † 2003)

 


Anlässlich des 50-jährigen Bestehen der Kreis-Sängervereinigung Köln im Jubiläumsjahr 1998 stellte sich der Kreis-Pressewart Theo Schäfer der selbst gestellten Aufgabe der Verfassung einer Chronik für die Festschrift die nahe liegende Frage: Sollte in einer so musikfreudigen Stadt wie Köln, wo es neben dem bereits seit 1842 bestehenden Kölner Männer-Gesang-Verein nach den heutigen Erkenntnissen noch mehr als vierzig im vorigen Jahrhundert gegründete Sängergemeinschaften gegeben hat, vor dem Zweiten Weltkrieg keine Interessenvertretung der Chöre bestanden haben? Doch trotz des schon Anfang 1997 zur Verfügung gestellten Druckwerkes ,,Das deutsche Sängerbuch" (unter Benutzung des amtlichen Materials des Deutschen Sängerbundes - DSB - im Mai 1930 herausgegeben vom damaligen DSB-Geschäftsführer Dr. phil. Dr. jur. Franz Josef Ewens), wurde er erst fündig, als sein Bruder von einem Trödelmarkt die ,,Festschrift zum 26. Rheinischen Sängerbundesfest in Köln" vom 27. bis 29. Juni 1925 (Herausgeber: Vorstand des Rheinischen Sängerbundes RSB) mitbrachte. Deren Inhalt ist von maßgeblicher Bedeutung der vom stellvertretenden RSB-Vorsitzenden Bernhard Derichs (MGV Kölner Liederkranz 1855) verfasste Beitrag ,,Der Rheinische Sängerbund und seine Unterbünde".

Diese Darstellung der RSB-Unterbünde enthält folgende Einleitung: Der am 6. Juli 1862 in Brühl gegründete Rheinische Sängerbund ist ein Glied des Deutschen Sängerbundes und umfasst die Gesangvereine des gesamten Rheinlandes. An seiner Spitze steht der Vorstand und ein Beirat. Letzterer besteht aus je einem Vertreter der einzelnen Unterbünde. Um neben den Fragen allgemeiner Natur und von Interesse für alle Bundesvereine die Sangesbrüderlichkeit besser pflegen zu können und den Vereinen mehr Gelegenheit zu geben, in engere Berührung miteinander zu kommen, wurde schon bald nach der letzten Umgestaltung des Bundes im Jahre 1909 (u.a. Beseitigung der 1886 eingeführten fortschrittshinderlichen Satzungsbestimmung, dass aus jeder Stadt nur ein Verein dem Rheinischen Sängerbund angehören durfte) die Frage der Schaffung von Unterbünden erwogen und bereits zum 24. Rheinischen Sängerbundfest vom 1 bis 3. Juli 1911 in Köln provisorisch durchgeführt. Es wurden zunächst sechs Unterbünde gebildet: Köln, Bonn, Koblenz-Trier, linksniederrheinischer Unterbund, rechtsniederrheinischer Unterbund und Unterbund Bergisches Land. 1911 dürfte somit als Gründungsjahr des Sängerkreises Köln gelten und deshalb hat die Kreis-Sängervereinigung Köln im Jubiläumsjahr 1998 bereits ein Alter von 87 Jahren.

Der 1911 für die Ausrichtung des 24. Rheinischen Sängerbundfestes in den Messeanlagen zu Köln-Deutz vom 1. bis 3. Juli 1911 gebildete Unterbund Köln des Rheinischen Sängerbundes erhielt erst im Jahre 1921 einen besonderen Vorstand, da bis dahin der Bundesvorstand (des RSB) die Geschäfte des Unterbundes Köln mit erledigte. Der Unterbund entfaltete eine rege Tätigkeit und trat mehrere Male in die Öffentlichkeit. so am 18. Oktober 1916 im Kölner Gürzenich mit einem großen Konzert zugunsten der Weihnachtsbescherung der Kriegswaisen, im Jahre 1921 mit einem Konzert im Volksgarten, 1923 bei der Eröffnung des Kölner Stadions. 1924 mit einem Singen auf öffentlichen Plätzen und einem Konzert in der großen Messehalle.

War es bis zum Fortfall 1909 der Satzungsbestimmung des RSB, nur ein Verein aus jeder Stadt dürfe Bundesmitglied sein, möglich gewesen. die Bundesfeste mit einem Vereinsfest zu verbinden, so machte die nunmehrige Erstarkung des RSB dieser schönen Sitte ein Ende. Bundesfeste waren nur noch durchführbar, wenn die betreffende Stadt einen 2000 bis 3000 Sänger fassenden Saal aufweisen konnte oder sich zum Bau einer besonderen Festhalle entschließen wollte. Die Kölner Stadtverordnetenversammlung stellte dem Rheinischen Sängerbund zur Abhaltung des 24. Rheinischen Sängerbundfestes den ehemaligen Exerzierplatz vor dem Aachener Tor kostenlos zur Verfügung. Ferner den großen Gürzenichsaal und bewilligte außerdem einen baren Zuschuss von 30.000 Mark. Nachdem so alle Vorbedingungen erfüllt waren, konnten die Vorbereitungen für das Fest mit Hochdruck betrieben werden. Für die Veranstaltung waren die Tage vom 1. bis 3. Juli 1911 vorgesehen. Der Staatsminister Dr. von Schorlemer übernahm das Protektorat (und meldete politische Forderungen an, etwa der Männergesang ,,solle die Freude am Vaterland wachhalten"), der Oberpräsident der Rheinprovinz, Freiherr von Rheinbaben, den Vorsitz im Ehrenausschuss. Auf dem Festplatz am Aachener Tor war durch die Firma L. Stromeyer & Cie. in Konstanz eine große Sängerhalle mit 4000 Sitzplätzen errichtet worden; ringsum hatte außer den Erfrischungszelten ein Jahrmarktstrubel Aufstellung genommen, was sich jedoch für die Aufführungen als sehr störend erwies.

Am Samstag fand im Hauptrestaurant auf dem Festplatz ein zwangloser Bierabend statt mit Reden, Gesangvorträgen und gemeinschaftlichen Liedern. Sonntag Vormittag 10 Uhr begann die Generalprobe des RSB-Gesamtchores in der Festhalle, zu der die Oberklassen der Volks- und Mittelschulen eingeladen wurden. Nachmittags um 2 1/2 Uhr ging vom Neumarkt der Festzug aus, begleitet von 8 Musikcorps; man zählte 70 Fahnen, viele Wagen und eine Kolonne von 6000 Zylinderhüten. Das erste Festkonzert mit 3000 Sängern begann um 6 Uhr. Die Leitung hatte der RSB-Chormeister, Kgl. MD Prof. Joseph Schwartz (Kölner MGV 1842). Das verstärkte städtische Orchester (110 Musiker) unter der Leitung von GMD Fritz Steinbach (Köln) wirkte mit. Die große Festhalle war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Da Konzert nahm einen sehr guten Verlauf, alle Darbietungen (u.a. Richard Wagners ,,Liebesmahl' und die ,,Altniederländischen Volkslider" gelangen auf das beste, reicher Beifall lohnte den Festdirigenten und alle Mitwirkenden für die aufgewandte Mühe. Nach Schluss des Konzertes fanden auf dem Festplatz Tanz und Volksbelustigungen aller Art statt. Am Montag begann um 10 Uhr vormittags die Hauptprobe für die Unterbünde und den Gesamtchor zum zweiten Festkonzert mit eingeladenen jungen Zuhörern. Nachmittags 2 Uhr gab es im großen Gürzenichsaal ein Festessen für die Spitzen der Behörden und zahlreiche Ehrengäste. Um 6 Uhr folgte das zweite Konzert unter Mitwirkung des Unterbundes Köln (Leitung: Prof. Joseph Schwartz) mit der Erstaufführung von August von Othegravens ,,Lob Gottes", des rechtsniederrheinischen Unterbundes (Leitung: Kgl. MD Mathias Neumann, Düsseldorf), des linksniederrheinischen Unterbundes (Leitung: MD Josef Bönn, M. Gladbach), des Unterbundes Bergisches Land (Leitung: MD Clemens Lehmacher, Solingen> und des Bonner Männergesangvereins (Leitung: KgI. MD Felix Krakamp, Bonn.

Alle Unterbünde bewiesen, was im Rheinland in gesanglicher Hinsicht geleistet werden kann. Nach dem Konzert lockte wieder der Festplatz mit seinen verschiedensten Veranstaltungen. Den Schluss des in allen Teilen wohl gelungenen Festes bildete ein großes Feuerwerk hinter dem Festplatz. Leider entsprach das geldliche Ergebnis nicht dem künstlerischen, da sich bei der Abrechnung eine erhebliche Unterbilanz ergab, die durch freiwillige Spenden von Gönnern in mühsamer Weise ausgeglichen werden musste.

Nachdem das Fest verklungen und die umfangreichen Abrechnungsarbeiten erledigt waren, galt es, den weiteren Ausbau des Rheinischen Sängerbundes tatkräftig zu fördern und die kurz vor dem Fest provisorisch vorgenommene Verteilung der Bundesvereine auf die Unterbünde festzulegen. Mit dieser Frage beschäftigten sich mehrere Mitgliederversammlungen. In der Versammlung am 3. Mai 1914 in Koblenz wurden die Unterbünde endgültig gebildet und gleichzeitig eine kurze Geschäftsordnung für die Unterbünde beschlossen.

Nach Kriegsende 1918 musste vieles ganz neu aufgebaut und aufgerichtet werden. Doch dies war für die rheinischen Sänger nicht so einfach wie für die Sangesbrüder im übrigen Deutschland. Neben einem fortschreitenden Währungsverfall begannen am 10. Januar 1923 französische Truppen mit der Besetzung des Rheinlandes (bis 1930) und Ruhrgebietes (bis 1925), weil nach Ansicht der Alliierten Reparationskommission Deutschland die ihm auferlegten Kohlen- und Holzlieferungen nicht erfüllte. Beschränkungen mancherlei Art für die Bevölkerung wurden angeordnet (5. Abbildung der am 5.7.1926 ausgestellten Ausweiskarte für Prof. August von Othegraven in dieser Festschrift), Schulen und öffentliche Lokale als Truppenquartiere beschlagnahmt. Hierdurch kam wiederum das Vereinsleben nicht recht zur Entfaltung. Aber trotz oder vielleicht sogar wegen all dieser Bedrängnisse machte sich ein starkes Bedürfnis nach Zusammenschluss im Verein geltend.

Die finanziellen Nöte drängten immer mehr dazu, neben der ideellen Pflege der Sangeslust auch wirtschaftliche Fragen zu erörtern. Auch das Verhältnis der Gesangvereine zu den Tonsetzergenossenschaften beschäftigte den Rheinischen Sängerbund des öfteren. Mehrmals scheiterten die Verhandlungen an den wirtschaftlichen Verhältnissen und dem Durcheinander der Währung, wodurch alle geldlichen Abmachungen längst überholt waren, ehe die Vereine verständigt werden konnten. Die stetige Geldentwertung drohte das Vereins- und Bundesleben lahm zu legen. Es war nicht möglich, Beiträge in solcher Höhe und so schnell zu erheben, dass für die notwendigen Ausgaben Deckung vorhanden war. Daher mussten erforderliche Anschaffungen unterbleiben. Die 1923 unter Reichskanzler Gustav Stresemann durchgeführte Währungsreform mit der Einführung der Rentenmark als Zwischenlösung konnte nur kurzfristig den Niedergang der Wirtschaft aufhalten. Hierzu kamen die großen Verkehrsschwierigkeiten durch die Ruhrgebietsbesetzung mit der zeitweiligen vollständigen Verkehrssperre. Der Chormeisterkursus im Januar 1923 konnte nur nach Überwindung großer Schwierigkeiten und unter großen persönlichen Opfern der Teilnehmer abgehalten werden.

Da das 25. RSB-Fest am 1. August 1920 in Essen nur in kleinem Rahmen abgehalten werden konnte, beantragte der Vorstand auf der RSB-Mitgliederversammlung am 26. Oktober 1924 in Aachen neben der Beschaffung eines Bundesbanners anlässlich der Jahrtausendfeier der Rheinlande 1925 in Köln das 26. Rheinische Sängerbundfest zu veranstalten und dabei das neue Bundesbanner einzuweihen. Da die Anträge einstimmige Annahme fanden, wurde der Vorstand mit den Vorarbeiten betraut und diese sofort in Angriff genommen. Die Stadt Köln bewilligte einen Garantiefonds von 25.000 Mark. Die erforderlichen Räumlichkeiten standen in der großen Festhalle und der Osthalle der Messe zur Verfügung. Mitwirkende am 26. RSB-Fest vom 27. bis 29. Juni 1925 in Köln waren vom Unterbund Köln: MGV Kölner Sängerkreis 1866 (Leitung: MD Josef Schmeiser), MGV Concordia 1876 Köln-Mülheim (Leitung: MD Willi Schell), Kölner MGV 1842 (Leitung: Prof. Joseph Schwartz), Mülheimer Männerchor 1883 (Leitung: MD Peter Bader), MGV Kölner Liederkranz 1851 (Leitung: RSB-Chormeister Peter Haas), Kalker MGV 1872 (Leitung: wie vor), Cäcilienverein Köln-Mülheim 1855 (Leitung: MD Heinrich Ferrenberg) und der Gesamtchor des Unterbundes Köln (Leitung: Kg!. MD Peter Haas).

Alle Konzerte zeigten die stolze Höhe des rheinischen Männergesangs. Der sonntägliche Festzug der etwa 20.000 (i. W. zwanzigtausend!) rheinischen Sänger aus 300 Vereinen und mehr als 30 Musikkapellen zog vom Neumarkt über die Hohenzollernbrücke zum Messegelände und benötigte dafür ungefähr eine Stunde. Die Kölner Vereine symbolisierten in dem Zug alles, was Köln an historischen Erinnerungen aufzuweisen hatte: der Kölner MGV 1842 in einer fast 100 Mann starken Kolonne in geschichtstreuen Gewändern aus dem historischen Domfestzug von 1880 die mittelalterlichen Zünfte der alten Kölner Adelsgeschlechter; der Kölner MGV Polyhymnia 1851 auf farbenprächtigem Wagen das Rheingold, der MGV Kölner Liederkranz 1855 versinnbildlichte auf seinem Wagen den Kölner Bauer mit Jungfrau, der Kölner Sängerkreis 1866 verherrlichte auf seinem Wagen das deutsche Lied, der Kölner Liederkreis 1890 stellte Kölner Originale wie Fleute Arnöldche, Maler Bock, Fressklötsch, Kuletschhot, Böck de Röck usw. dar die vereinigten Mülheimer Vereine. auf einem von sechs Pferden gezogenen Wagen das Mülheimer Wappen mit Fährmann und bergischem Löwen, der Deutzer MGV 1865 führte den Düxer Bock mit, der MGV Germania Köln beschloss den Reigen mit der stolzen Germania und dem von seinen Nixen umspielten Vater Rhein.

Die Konzerte der Unterbünde eröffnete der Cäcilienverein Köln-Mülheim 1855 mit dem ,,Pilgerchor" aus Richard Wagners Oper ,,Tannhäuser" und dem prächtig gesungenen ,,Matrosenchor" aus dem ,,Fliegenden Holländer". Zum Abschluss des Festes am Sonntag stimmte der RSB-Massenchor auf der Terrasse des Messehofes nach der Begrüßung durch den Kölner Oberbürgermeister Dr h.c. Konrad Adenauer und der Gedächtnisrede des Deutschen Sängerbund-Vorsitzenden RA Friedrich List (Berlin) auf die Verstorbenen und gefallenen Sänger das Lied ,,Das ganze Herz dem Vaterland" von Karl Wilhelm an. Am Montag bestand Gelegenheit zur Besichtigung der Jahrtausendausstellung in der Messe und einer Dampferfahrt mit der Köln-Düsseldorfer Rhein-Dampfschiffahrts-Gesellschaft nach Königswinter bzw. Remagen. Zudem wurden Sonntags- und Montagabends im Messegelände ein großes Brillant-Feuerwerk abgebrannt und beide Rheinufer beleuchtet.

Dem Unterbund Köln gehörten zum Zeitpunkt des 26. RSB-Festes 85 Chöre an, wobei 20 Mitgliedsvereine aus Brühl (5), Bensberg (3), Bedburg (2>, Bergisch Gladbach, Blatzheim, Hoffnungsthal, Hürth, Lieblar; Quadrath, Stommeln und Wiesdorf (je 1) stammten.

Nachdem überaus glanzvoll verlaufenen 10. Deutschen Sängerbundfest vom 19. bis 22. Juli 1928 in Wien (nach § 1 der damaligen DSB-Satzung wurde der Deutsche Sängerbund aus den Sängerbünden des Deutschen Reiches u n d Österreichs sowie den Sängerbünden und einzelnen Vereinen der im Ausland lebenden Deutschen gebildet: im Zusammenhang mit dem DSB-Fest in Wien siehe auch das Foto des MGV Amphion Köln-Ehrenfeld 1882 in dieser Festschrift) machten sich auch im Rheinischen Sängerbund die Wirtschaftsnöte recht unliebsam bemerkbar. Zunächst konnte der Unterbund Köln im RSB am 2. Juni1929 im Festsaal (Konzerthalle) der Kölner Messe ein großes Bundessingen (kein Wert- oder Preissingen) veranstalten. Als Wertungsrichter amtierte Prof. Heinrich Zöllner (Dirigent des Kölner MGV 1842 von 1855 bis 1890). der jedem der elf teilnehmenden Vereine die Wertung seiner Chorvorträge umfangreich und bis ins kleinste schriftlich übermittelte. In der Begrüßungsansprache wies der Kölner Unterbundvorsitzende Dr. Karl Heuser (Kölner MGV Polyhymnia 1851) darauf hin, dass die Kölner Vereine zum ersten Mal nach dem Kriege zusammen gekommen seien, um durch diese Chorveranstaltung für das totgesagte deutsche Lied zu begeistern. Von den Ehrengästen war dem städtischen Kunstdezernenten Dr. Meerfeld die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden. das neue Bundesbanner (5. Foto des Banners in dieser Festschrift; vgl. auch Veröffentlichung auf S.32 der Dokumentation der KSV Köln vom Juli 1989) zu enthüllen. Das Banner; eine überaus geschmackvolle Arbeit eines Kölner Sängers, war eigens zur Namensänderung des Unterbundes Köln in ,,Kölner Sängerbund" angeschafft worden. Die Stadt Köln stiftete jedem teilnehmenden Verein am Wertungssingen eine Gedenkmünze in Bronze.

Die als machtvolle Kundgebung für das deutsche Lied durchgeführte Veranstaltung wurde durch einen Sängerfesttrunk am Abend mit weiteren Chor- und Solistendarbietungen beschlossen.

Infolge des ,,Schwarzen Freitags' am 25. Oktober 1929 an der New Yorker Börse kam es zu einem Kursverfall; Zins- und Kreditwesen brachen zuerst in den USA und dann in allen Industrienationen zusammen. Durch diese Weltwirtschaftskrise ging die Zahl der Arbeitslosen in die Millionen (1931 über4 Mill., 1932 über 6 Mill.); soziale Missstände verschärften das Elend und ebneten radikalen politischen Gruppierungen den Weg. Durch das Heer der Erwerbslosen wuchs die Verantwortung der Vereinsvorstände und der noch in Arbeit befindlichen Mitglieder. In den Städten und Dörfern blühte trotzdem das Sangesleben. Die wirtschaftliche Not hatte die Sangesbrüder noch fester aneinander gebunden und sie bestimmt, ihr letztes und bestes herzugeben zur Verwirklichung der kulturellen Bestrebungen des starken und in sich gefestigten Sangeskörpers.

In dieser überaus schwierigen Zeit führte der RSB sein 27. Sängerbundfest vom 5. bis 7. Juli 1930 in Wuppertal durch. Vom Kölner Sängerbund nahmen folgende Chöre an den sechs Festkonzerten teil: MGV Kölner Liederkreis 1890(80 Sänger, Leitung: MD Willi Schell), MGV Kölner Liederkranz 1851(140 Sänger; Leitung: MD Peter Haas), Kalker MGV 1872 (75 Sänger; Leitung: MD Peter Haas), Männerchor 1883 Köln-Mülheim (110 Sänger; Leitung: MD Peter Bader).

Selbstverständlich gab es auch einen großen Sängerfestzug mit herrlichen Festwagen, das deutsche Lied darstellend, und 25 Musikkapellen von Elberfeld und Barmen zur Schlachthof-Festhalle in Barmen und an allen Tagen einen großen Festball mit feenhafter Beleuchtung, Feuerwerk und Militärmusik sowie auf dem Barmer Zirkusplatz eine große Bergische Kirmes.

Nachdem sich Adolf Hitler 1933 als Reichs-Kanzler durch das sog. Ermächtigungsgesetz die gesetzgebende und ausführende Gewalt (,,Machtergreifung") verschafft hatte, wurde durch ein entsprechendes Gesetz vom 22. September 1933 nach dem Motto ,,Führerprinzip und Gleichschaltung" auch die kulturelle Gleichhaltung vollzogen, indem. Der Deutsche Sängerbund in die Reichskultur- bzw. Reichsmusikkammer (Fachverband Männerchöre) integriert wurde und dadurch seine Selbständigkeit verlor. Die Vorsitzenden und Dirigenten der Vereine und Verbände, die nicht einer nationalsozialistischen Organisation angehörten, wurden ausgewechselt; die Satzung durch ein autoritäres Führerprinzip ersetzt. Aus dem Vereinsvorsitzenden wurde der Vereinsführer; aus dem Vorsitzenden der Sängerkreise (Köln: Sängerkreis 10) und Sängergaue (IX/Rheinland, Geschäftsstelle in Köln) als Untergliederung des Deutschen Sängerbundes der Sängerkreisführer und Sängergauführer sowie aus dem DSB-Vorsitzenden der Bundesführer. Der Sängerkreis 10 (Köln) wurde 1935 noch in 13 Bezirksgruppen unterteilt mit Bezirksgruppenobmännern an der Spitze. Aus organisatorischen Gründen wurde der große Sängergau Rheinland (IX) ab 1. Januar 1936 in die Sängergaue Rheinland-Süd (1X a, Geschäftsstelle Koblenz, politische Gaue Aachen, Köln, Koblenz-Trier) und Rheinland-Nord (IX b, politische Gaue Düsseldorf und Essen) gegliedert, wobei Rheinland-Süd ab 1. Januar 1942 aus kriegsbedingten Gründen noch eine Unterteilung in die Sängergaue Köln/Aachen (Gauführer: Dr. Hans-Hugo Kelleter, Köln) und Moselland erfuhr.

Ein Höchstmaß an Geschicklichkeit und Diplomatie war erforderlich, um die Gesangvereine vor dem Zugriff der NSDAP und später der Arbeitsfront zu bewahren und die schmückenden Buchstaben ,, NS'" fernzuhalten, was dem deutschen Sport, der Turnerschaft und den Schützen nicht gelungen ist. In diesem Zusammenhang ist aus dem Vereinsarchiv eines Kölner Chores das Original eines Vereinsführerausweises von besonderer Bedeutung, durch den der Sängerkreis Köln im Deutschen Sängerbund am 27. März 1941 bescheinigt, dass die vorgenommene Vereinsführerwahl den Anforderungen der Bundesleitung entspricht und der gewählte Herr ... als Vereinsführer bestätigt und beauftragt wird, die Mitarbeiter des Vorstandes zu bestimmen und diese namentlich mit Angabe der Wohnung und Partei- bzw. Verbandszugehörigkeit innerhalb von zehn Tagen der Kreisgeschäftsstelle mitzuteilen. Dieser Ausweis ist vom DSB-Sängerkreisführer Dr. Juhus Stryck mit der Grußformel ,,Mit deutschem Sängergruß - Heil Hitler! unterschrieben und enthält auffälligerweise den Stempelabdruck "Kölner Sängerbund - Gau Köln - Deutscher Sängerbund" in der Umrandung und die etwa 1 cm großen Anfangsbuchstaben ,, KSB" = Kölner Sängerbund) durch eine Lyra verlaufend unübersehbar im Innenkreis.

Schon bald nach der Neuordnung des Männerchorwesens führte man Gau-Schulungslager für Chorleiter und Sängerführer ein, die für den Sängergau Rheinland u.a. mehrmals im Königsforst bei Köln abgehalten wurden. Auch wurden die Chöre zu Konzerten zum Heldengedenktag und zugunsten des Winterhilfswerkes (WHW) angehalten. Diesen Veranstaltungen folgten 1939/40 nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges das Lazarettsingen für die verwundeten Soldaten, das infolge der Schrumpfung der Vereine wegen der Einberufung der Sänger zum Kriegsdienst auch kurzfristig gebildete Kriegs-Chorgemeinschaften durchführten.

Unmittelbar nach der Vollendung des 75. Lebensjahres von Prof. August von Othegraven (2. Juni1939) führte ihm zu Ehren der Kölner Sängerbund am 15. Juni1939 im Kölner Gürzenich ein Konzert durch unter Beteiligung folgender elf Kölner Männergesangvereine: Kölner MGV 1842, MGV Apollo 1849, MGV Kölner Liederkranz 1855, MGV Kölner Sängerkreis 1866, Männerchor Köln-Nippes 1869, Kalker MGV 1872, MGV Eintracht Köln-Kalk 1874, MGv Concordia Köln Mülheim 1876, Männerchor 1883 Köln-Mülheim, MGV Kölner Liederkreis 1890 und Kölner Männerchor 1900. Dem Altersjubilar wurde bei dieser Gelegenheit die Erstprägung der August-von-Othegraven-Plakette in Gold überreicht. Ebenfalls im Gürzenich veranstaltete die Bezirksgruppe Köln-Mülheim des Kölner Sängerbundes ein Othegraven-Konzert, gegen dessen Ende der Kreis-Chormeister Dr. Willi Czwoydzinski das Wort zu einer längeren Ansprache ergriff.

Aufgrund einer Einladung in den Kölner Tageszeitungen fanden sich am Sonntag, dem 8.6.1947, um 11 Uhr die Vertreter von 22 Männerchören in der Kölner ,,Funkenburg", Sachsenring 24, zu einer Besprechung zusammen. Der ehemalige Sängerkreisführer Dr. Juhus Stryck eröffnete die Versammlung und gab bekannt, daß am 8.3.1947 in Dortmund von Oberstudiendirektor Anton Pesch der Sängerbund Nordrhein-Westfalen gegründet worden sei und er die Kölner Sängerschaft gebeten habe, diesem Sängerbund beizutreten. Die anwesenden Vereinsvertreter waren jedoch nach einer erregten Debatte der Ansicht, zunächst die Sänger des Stadt- und Landkreises Köln zusammenzufassen und dann den Aufbau des früheren Rheinischen Sängerbundes zu betreiben, um die alle Vormachtstellung der rheinischen Metropole Köln zu erhalten. Nach einstündiger Aussprache wurde der Antrag auf Gründung des ,,Kölner Sänger-Bundes" einstimmig angenommen. Anschließend wählte man einen Arbeitsausschuß mit den Sangesfreunden Karl Gohr (A-Capella-Chor Köln 1910), Josef Hüll (Kölner Männerchor 1900), Heinz Jansen, Hermann Schütter (Kölner MGV Polyhymnia 1851) und Dr. Juhus Stryck (Kölner MGV 1842> und bestimmte das Büro des Sangesbruders Karl Gohr in Köln, Hansaring 35, vorläufig als Geschäftsstelle.

Nach Aufstellung der ersten Satzung durch den Satzungsausschuß und Annahme derselben in der ordentlichen Generalversammlung am 16.101947 wurde die ,,Vereinigung der Männergesangverein, gemischten Chöre und Frauenchöre mit Sitz im Gebiet des Stadt- und Landkreises Köln" eingetragen. Die Vorstandsmitglieder waren für 2 Jahre zu wählen.

Wie schon erwähnt, feierte der MGV Worringen 1848 als zweitältester Kölner Männerchor vom 29. bis 31.5.1948 sein 100-jähriges Bestehen. An dem sonntäglichen Freundschaftssingen in vier Worringer Sälen beteiligten sich 59 Gesangvereine, von denen die Mehrzahl (49) dem Kölner Sängerkreis angehörten.
Zur Erinnerung an den historischen Tag, an dem vor 700 Jahren der Grundstein des Kölner Doms gelegt wurde (1248), sangen nach einem vormittäglichen Pontifikalamt am Nachmittag des 15.8.1948 auf einer religiösen Kundgebung im Stadion die Kölner Männerchöre unter Kreischorleiter Paul Kaltwasser ,,Gnädig und barmherzig" (Grell), ,,Die Himmel rühmen" (Beethoven), ,,Jubilate" (Kämpf) und ,,Christ ist erstanden" (Choralsatz).

Die Verhandlungen mit dem Sängerbund Nordrhein-Westfalen für einen Anschluss des Kölner Sängerkreises gestalteten sich schwierig und erstreckten sich über einen längeren Zeitraum, so dass die Zugehörigkeit erst zum Jahresbeginn 1949 vollzogen werden konnte. Der Beitritt ab 1949 als Untergliederung des nordrhein-westfälischen Sängerbundes machte wegen der Beitragszahlung erstmalig auch eine umfassenden Bestandsaufnahme der Kölner Mitgliedschöre erforderlich, nach deren Abschlu8 ein Mitgliederverzeichnis des Kölner Sängerkreises herausgegeben werden konnte, das im folgenden Jahr von der Sängerbundleitung wegen seiner Erstellung im ,,hochqualifizierten Verfahren" öffentlich gelobt wurde. Am 8.5.1949 führte die Untergruppe Köln-Stadt rrh. Im Kölner Sängerkreis in der Kongreßhalle der Deutzer Messe ein Freundschaftssingen durch. Die 14 Chöre Kölner MGV 1842, MGV Qrpheus Köln-Mülheim 1854, Cäcilienverein Köln-Mülheim 1855, MGV Eintracht 1865 Köln-Buchheim, Deutzer MGV 1865, MGV Sängerbund Concordia Köln-Mülheim 1870, Kalker MGV 1872, MGV Köln-Höhenberg 1979/91, MGV Liederkranz Köln-Vingst 1881, Männerchor 1883 Köln-Mülheim, Männerchor Köln-Poll 1892, Quartettvereinigung Euterpe Köln-Kalk 1894 und der Rechtsrheinische Straßenbahner-Gesangverein Köln-Kalk 1921 mit insgesamt ca. 1000 Sängern gaben Proben ihres Könnens ab. Die musikalische Gesamtleitung hatte MD Heinrich Ferrenberg (vor 1945 lange Jahre Kreischormeister des Kölner Sänger-Bundes), für den es leider sein letztes weltliches Konzert sein sollte, da er am 30.7.1949 an einem Schlaganfall verstarb. Damit verlor das Mülheimer Musikleben einen Künstler der 35 Jahre der Kirchenmusik und dem deutschen Lied diente.

Einen weiteren Verlust erlitten die Kölner Sänger als am 4.9.1949 Mathias Theile, der 1. Vorsitzende des Kölner Sängerkreises im Alter von 70 Jahren verstarb. Selbst eine begeisterter Sänger hatte er stets an der Entwicklung des Männerchorwesens an hervorragenden Stellen mitgewirkt.

Das erste Leistungssingen des Kölner Sängerkreises fand am 9.10 1949 im Saal des Brühler Hauses ,, Belvedere" statt. Vor der Veranstaltung begrüßten auf der Terrasse des Brühler Schlosses der Landrat und der Bürgermeister sowie musikalisch die Brühler Chorvereinigung 1846 die auftretenden Sänger. 12 Chöre des Stadt- und Landkreises Köln mit etwa 700 Sängern stellten sich den Wertungsrichtern; 6 Vereine wurden zum Bezirksleistungssingen zugelassen.

In der Zeit vom 3. bis 12.9 1949 feierte der Kölner MGV Apollo 1849 sein 100-jähriges Bestehen unter Mitwirkung zahlreicher befreundeter Vereine. Auf der ordentlichen Hauptversammlung am 6.11.1949 beschloss der Kölner Sängerkreis die Änderung seines Namens in ,,Kreis-Sängervereinigung Köln". Wichtigster Punkt der Tagesordnung war jedoch die Wahl eines neuen Vorsitzenden; die Vereinsvorstände bestimmten den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Hermann Schütter (Kölner MGV Polyhymnia 1851). Der Leiter der rechtsrheinischen Untergruppe. Paul Stute (MGV Sängerbund Concordia 1870 Köln-Mülheim). wurde zum Stellvertreter gewählt. An der Versammlung nahm auch Thomas Liessem, der Vorsitzende des Festkomitees Kölner Karneval, teil und warb für eine Teilnahme der Kölner Gesangvereine am Kölner Rosenmontagszug; nicht nur die Pflege des deutschen Liedgutes sondern auch heimatliches Brauchtum zu pflegen biete eine reizvolle Sonderaufgabe. Der Entwurf der neuen Satzung vom 29.5.1949 wurde am 11.2.1950 in das Vereinsregister des Kölner Amtsgerichts eingetragen; sie legte ordentliche Hauptversammlung im Frühjahr und Herbst fest, wobei die erste Hauptversammlung die Entlastung und Wahl des Vorstandes auf zwei Jahre u.a. zum Inhalt hatte.

Aus Anlass des Jubiläums ,,Köln 1900 Jahre Stadt' fand am 17.6.1950 im provisorisch hergerichteten Gürzenich-Saal ein Festkonzert statt, bei dem 3 Männerchöre und 5 Chorgemeinschaften mitwirkten. Beim Festakt am 8.7.1950 auf der Südseite des Domes brachten ca. 2000 Sänger mit Bläserbegleitung unter der Stabführung von Kreischormeister Paul Kaltwasser eine neue ,,Hymne auf die Stadt Köln' von Hermann Schroeder zur Uraufführung.

In der Vorstandsitzung am 10.8.1950 wurde beschlossen, die vor dem Kriege geschaffene August-von-Othegraven-Plakette. welche an verdiente Gesangvereine bei außergewöhnlichen Anlässen und Chorjubiläen verliehen wurde, in drei Ausfertigungen (Bronze, Silber, Gold) wieder neu prägen zu lassen. Auf der Jahreshauptversammlung am 30.9.1950 wies der Kreisvorsitzender Hermann Schütter darauf hin, dass August von Othegraven auf dem Kölner Friedhof Melaten begraben liegt. aber kein Grabstein den Platz bezeichnet, wo der Kölner Männerchorkomponist seine letzte Ruhe gefunden hat. Er schlug deshalb vor. August von Othegraven in dankbarer Würdigung seiner Verdienste um den Männergesang ein Denkmal zu errichten. Der Antrag. den beim Gürzenich-Konzert am 17.6.1950 erzielte Überschuss und den möglichen Gewinn des Bezirksleistungssingens am 22.10.1950 als Grundstock hierfür zu verwenden. wurde einstimmig angenommen. Das mit viel Fleiß vorbereitete Wertungssingen der Sängerkreise Köln, Bonn und Rhein-Berg fand am 22.10.1950 in der Halle V der Kölner Messe statt. Von den Kölner Vereinen wurden der Kölner Männerchor 1900. der Quartettverein 1874 Köln-Rath und der MGV Concordia 1893 Ei am höchsten bewertet und zum Bundesleistungssingen zugelassen. um dort den Titel ,, Meisterchor" zu erringen.

Hermann Schütter wurde auf der Jahres-Hauptversammlung am 17.3.1951 als 1. Vorsitzender der KSV Köln wieder gewählt. Die in die Bezirksgruppen Köln-Stadt lrh, Köln-Stadt rrh., Köln-Land/Nord und Köln-Land/Süd unterteilten 115 Chöre hatten einen Mitgliederbestand von 5782 Sänger/innen. Der Kölner MGV 1842 nahm mit einem Stundenkonzert im überfüllten Saal des alten Schlosses am 13. Deutschen Sängerbundfest vom 27. bis 29.7.1951 in Mainz teil. Festteilnehmer im Stadion und Mitwirkende an den Gemeinschaftschören waren der Kölner MGV Polyhymnia 1851, der MGV Kölner Liederkranz 1855 und der MGV Kölner Männerchor 1900.

Am 1.2.1952 wurde der langjährige Kölner Sängerbundführer Dr. Juhus Stryck zur letzten Ruhe gebettet. Die Kreis-Sängervereinigung Köln legte einen Kranz am Grab nieder. Die ordentliche Jahreshauptversammlung am 29.3.1952 beschäftigte sich mit der Finanzierung der geplanten Othegraven-Denkmals. Die Vereinsvertreter erklärten sich mit einem Betrag von 10 Pf. je Sänger einverstanden. durch den die noch fehlende Summe aufgebracht werden soll. Jeweils in der Aula der Kölner Universität wurden am 12.10. und 30.11.1952 Konzerte für die Schaffung des Othegraven-Denkmals veranstaltet.

Hermann Schütter ließ sich auf der Jahreshauptversammlung am 23.3.1953 für zwei weitere Jahre als Kreisvorsitzender wieder wählen. Die Bestandserhebung zählte 117 Chöre mit 5275 Sänger/innen. Köln bewarb sich mit dem starken Einsatz der Stadtverwaltung für das DSB-Chorfest 1956.

Am 19.4.1953 fand das dritte Othegraven-Konzert in der östlichen Kongresshalle der Messe in Köln-Deutz statt. Nicht weniger als 17 Vereine. vor allem die Deutzer. Kalker und Mülheimer Chöre bestritten das vielseitige Programm.

Am Morgen des Buß- und Bettages 1953 wurde im Beisein von Vertretern der Bürgerschaft, der Stadtverwaltung, der Musikhochschule, zahlreicher Gesangvereine sowie unter Teilnahme von Fahnenabordnungen das Grabdenkmal für den 1864 in Köln-Mülheim geborenen und 1946 in Melaten bestatteten Komponisten August von Othegraven feierlich enthüllt. Der vereinigte Chor des MGV Sängerbund Concordia 1870 Köln-Mülheim und des Werkchors Ford am Rhein 1941 Köln-Niehl unter Leitung des Dirigenten Hans Herbert Jöris und mit Begleitung der Kapelle Christian Reuter eröffnete die Einweihungsfeier mit einem der wirkungsvollsten Chorsätzen des Verstorbenen, dem ,,Lob Gottes".

Der am Aufbau des Sängerlebens nach dem Kriege stark beteiligte Kreischormeister Paul Kaltwasser starb am 15.6.1954. Als sein Nachfolger bestimmte die Jahreshauptversammlung am 23.10.1954 Hans Herbert Jöris.

Der Cäcilienverein 1855 Köln-Mülheim feierte sein 100-jähriges Bestehen. Beim Festakt am 20.11.1955 überbrachte Kreisvorsitzender Hermann Schütter mit den Glückwünschen der Kreis-Sängervereinigung Köln die August-von-Othegraven-Plakette in Gold. Der Verein hatte eine Festschrift ohne Inserate herausgebracht mit einem Querschnitt durch die Mülheimer Musikgeschichte. Da die Chronik gleichzeitig als Heft 12 der ,,Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte" erschien, konnte die Veröffentlichung als vorbildlich bezeichnet werden.

Eine Woche später konnte auch der MGV Kölner Liederkranz 1855 sein 100-jähriges Jubiläum begehen. Hermann Schütter überreichte neben der Ehrenurkunde des Deutschen Sängerbundes auch hier als Auszeichnung der Kölner Sänger die August-von-Othegraven-Plakette in Gold.

Die Jahreshauptversammlung am 10.12.1955 stellte zum dritten Mal in Wiederwahl Hermann Schütter an die Spitze der Kreis-Sängervereinigung. 3 Chorleiter erhielten für 40-jährige Chorleitertätigkeit die neue DSB-Ehrennadel in Gold und 7 Chorleiter für 25-jährige Tätigkeit in Silber. Der Mitgliederbestand betrug 5160 Sänger/innen in 118 Chören.

Adolf Clemens zum Gedenken boten 42 Vereine mit über 1500 Sänger/innen in mehreren Chorgruppen im März 1956 in einem Konzert im Gürzenich einen eindrucksvollen Querschnitt von der Vielfalt des Kölner Komponisten. Besonders der von allen Mitwirkenden unter Kreischormeister Hans Herbert Jöris gesungene Schlusschor, das ,,Türmerlied"' löste tobenden Beifall aus. Die Angehörigen von Adolf Clemens und der Vorsitzende des Sängerbundes Nordrhein-Wesffalen, Dr. Willi Engels, wohnten dem Konzert bei. Mit zu den besten Leistungen beim 14. Deutschen Sängerbundesfestes im August 1956 in Stuttgart gehörte das Konzert des MGV Kölner Liederkreis 1890. Die Fahnen des Kölner MGV 1842, des Kölner MGV Polyhymnia 1851 und des MGV Kölner Liederkranz 1855 befanden sich unter den ca. 2500 Fahnen bei der Schlussfeier im Neckarstadion.

Anlässlich der Bundesgartenschau in Köln veranstaltete die Kreis-Sängervereinigung die ,,Kölner Chortage 1957' mit zwei Konzerten am 15.6.1957 im großen Saal des Gürzenichs unter Mitwirkung von 10 Vereinen, einem Konzert am 16.6.1957 in der Messehalle V, Köln-Deutz unter Beteiligung von 7 Chören und einem Volksliedersingen mit 15 Vereinen am 16.6.1957 unter dem Motto ,, Liebesleid -Liebesfreud" und ,,Frohsinn" im Gebäude der Bundesgartenschau im Deutzer Rheinpark. Auf der Jahreshauptversammlung am 20.10.1957 wurde Hermann Schütter zum vierten Mal als Kreisvorsitzender wieder gewählt. Die Mitgliedererhebung ergab 114 Chöre mit 4810 Sänger/innen.

1959 gab die KSV Köln 26 Mitgliedsvereinen durch gemeinsames Singen in 9 Chorgruppen die Möglichkeit eines öffentlichen Auftretens im Kölner Gürzenich. Unter der Leitidee ,,Kölner Komponisten" war auf eine feste Programmbindung verzichtet worden. Jeder Chor sollte singen, was ihm Freude machte. Ein glücklicher Gedanke, der auf viel Begeisterung stieß. Vor dem Schlusschor überreichte der Präsident des Sängerbundes NRW dem Kreisvorsitzenden Hermann Schütter den Goldenen Ehrenring als Ausdruck des Dankes für ungewöhnliche Verdienste um Liedpflege und organisatorischen Aufbau des rheinischen Sangeslebens.

Die Bestandserhebung für 1960 ergab 4014 Sänger/innen in 108 KSV-Mitgliedsvereinen.

Am Kreis-Leistungssingen im Kölner Gürzenich am 13.5.1962 beteiligten sich 14 KSV-Chöre, davon MGV Wesseling 1844, MGV Orpheus 1854 Köln-Mülheim und MGV Sängerbund Concordia 1870 Köln-Mülheim in der Klasse 2. Wertungsrichter waren die bekannten Komponisten und Dirigenten Rudolf Desch und Quirin Rische.

Da Hermann Schütter nach 13 Jahren Amtszeit im vorgeschrittenen Lebensalter von 84 Jahren nicht mehr als Vorsitzender kandidieren mochte, wurde auf dem Kreissängertag am 13.10.1962 in der ,,Wolkenburg' der mit 38 Jahren verhältnismäßig junge Karl Weissenberg vom Polizeichor Köln 1902 zu seinem Nachfolger gewählt.

In der Vorstandsarbeit machte sich umgehend das Organisationstalent des neuen Kreisvorsitzenden bemerkbar. Zur Stärkung der Eigenständigkeit wurden ab 1963 die bisherigen 5 Bezirksgruppen Köln-Stadt lrh/Nord, Köln-Stadt lrh/Süd, Köln-Stadt rrh/Nord, Köln-Stadt rrh/Süd und Köln-Land in die 9 Bezirksgruppen Köln-Nord, Köln-West, Köln-Süd, Köln-Mitte, Köln-Deutz/Kalk, Köln-Mülheim, Rodenkirchen/Wesseling, Brühl/Hürth und Frechen gegliedert mit Bezirksvorsitzenden und Bezirkschorleitern an der Spitze. Die Bezirksgruppen Köln-Mitte und Köln-Süd sowie Köln-Nord und Köln-West schlossen sich 1968 bzw. 1969 zu Köln-Mitte/Süd und Köln-Nord/West zusammen. Die auf dem Kreissängertag am 2.11.1963 beschlossenen Satzung löste die vom 29.5.1949 ab und brachte neben der Verankerung der Bezirksgruppeneinteilung als wichtigste Neuerung die Einberufung nur noch einer jährlichen Hauptversammlung und die Vorstandswahl auf drei Jahre.

Zum Gedenken an den hundertsten Geburtstag des Kölner Komponisten August von Othegraven fanden 1969 drei Konzerte statt: am 25.4. in der Aula des Gymnasiums Kreuzgasse von der Bezirksgruppe Köln-West. am 15.11. in der Stadthalle Köln-Mülheim von der Bezirksgruppe Deutz/Kalk und am 18.12. im Kölner Gürzenich von der KSV Köln unter Mitwirkung von 59 Chören.

Mit dem Kreissängertag am 21.5.1966 im Frechener Schützenhaus wurde erstmals eine KSV-Hauptversammlung außerhalb von Köln abgehalten.

Der älteste und an Sängern stärkste (1965: 264, 1971: 313) Kölner Männerchor, der ruhmreiche Kölner MGV 1842, feierte sein l25jähriges Jubiläum.

Karl Weissenberg erhielt beim zweiten auswärtigen Kreissängertag am 18.5.1968 im Brühler Hotel "Kurfürst" zum zweiten Mal die Zustimmung zur weiteren Leitung der KSV und bekundete danach sein Bestreben, das DSB-Chorfest endlich nach Köln zu holen. Die Satzung über die Stiftung und Verleihung der August-von-Othegraven-Plakette wurde bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen.

Beim Totengedenken erhielt der kürzlich im Alter von 89 Jahren und nach seinem Ausscheiden aus dem KSV-Vorstand zum Ehrenvorsitzenden ernannte Hermann Schütter einen besonderen Nachruf. 1959 war er vom Kölner Oberbürgermeister Dr. h.c. Theo Burauen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Kreischorleiter Theo Breuer erhielt 1968 ebenfalls das Bundesverdienstkreuz am Bande.

1969 bzw. 1970 feierten der Männerchor Köln-Nippes 1869 und der MGV Sängerbund Concordia Köln-Mülheim 1870 ihr 100-jähriges Bestehen.

Karl Weissenberg, der wegen Überlastung nicht mehr kandidieren wollte, konnte sich beim Kreissängertag am 22.5.1971 in der ,,Wolkenburg" der dritten Wiederwahl zum Kreisvorsitzenden nicht entziehen. Die Mitgliedererhebung ermittelte 91 Chöre mit 3278 Sänger/innen.

Der Kölner Bürgermeister Dr. Friedrich Jacobs zeichnete am 1.2.1972 Bezirkschorleiter (Köln-Nord/West) Heinz Zell für nahezu 50 Jahre Dirigententätigkeit mit dem Bundesverdienstkreuz aus.

Für seine Verdienste erhielt auch Kreisvorsitzender Karl Weissenberg aus der Hand von Regierungspräsident Dr. Günter Heidecke das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Zum zweiten Mal fand der Kreissängertag am 2.6.1973 im Schützenhaus Frechen statt. Der MGV Worringen 1848 als zweitältester Kölner Gesangverein beging die 125. Wiederkehr seiner Gründung. 91 Chöre mit 3340 Sänger/innen konnten durch Bestandserhebung ermittelt werden.

Der Kreissängertag am 23.3.1974 im Festsaal der Chemischen Fabrik Kalk mit der vierten Wiederwahl von Karl Weissenberg wurde durch die Auszeichnung des Komponisten und Musikdirektors Bernhard Hartmann mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD durch Frau Bürgermeisterin Else Schmitt aufgewertet.

Von den durch Bestandserhebung 1975 ermittelten 90 Chören mit 3507 Sänger/innen wurden infolge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen ab 1.1.1975 die 26 Chöre des aufgelösten Landkreises Köln an den für den neu gebildeten Erftkreis zuständigen Erftsängerkreis Bergheim abgegeben, so daß die KSV Köln zum Jahresende nur noch aus 64 Chören mit 2795 Sänger/innen bestand.

Dem Aderlass durch den Weggang der 26 Landkölner Gesangvereine zum Erftsängerkreis folgte zur Jahreswende 1976/77 der Zugang von 9 Porzer Chören mit 373 Aktiven. Die Mitgliedsvereine der Bezirksgruppe Porz des Rheinisch-Bergischen Sängerkreises hatten beschlossen, infolge der Eingemeindung der Stadt Porz nach Köln durch die kommunale Neugliederung sich der KSV Köln anzuschließen. Der Mitgliederbestand erhöhte sich dadurch auf 72 Chöre mit 2795 Sänger/innen.

Zum fünften Mal wurde Karl Weissenberg auf dem Kreissängertag am 26.3.1977 im Kath. Jugendheim St. Hermann-Josef in Köln-Dünnwald als Kreisvorsitzender wieder gewählt.

Beim Kreissängertag am 8.4.1978 in der ,,Wolkenburg" führte für den erkrankten Karl Weissenberg sein Stellvertreter Karl Germscheid den Versammlungsvorsitz.
Der MGV Weiß 1 ß78 und der MGV Concordia Lövenich lß7ß, der sich kurz darauf mit dem MGV Eintracht Weiden 1897 zum MGV Weiden-Lövenich 1878/97 vereinigte, konnten auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken.

 

Die KSV war nach dem Mitgliederrückgang durch die kommunale Neugliederung von 1975 inzwischen wieder auf 75 Chöre mit 2915 Sänger/innen angewachsen.

Hans Müller, von 1955 bis 1974 nahezu 20 Jahre Geschäftsführer der KSV Köln, verstarb am 5.1.1980 im Alter von 75 Jahren. Für sein Engagement im Männerchorwesen sowohl als Verbandsfunktionär als erstaunlicherweise auch als Dirigent verschiedener Chöre ( u.a. Werkchor Pohlig-Hecker- Bleichert AG Köln-Zollstock, Sängerchor Rheinland Köln, MGV Köln-Weidenpesch) erhielt er 1964 die August-von-Othegraven-Plakette in Gold. Der Kreissängertag 1980 wurde am 15.3. im Kolpinghaus Köln-Ehrenfeld durchgeführt und Karl Weissenberg dabei in der sechsten Wiederholung an der Spitze der KSV Köln bestätigt. Cäcilienverein 1855 Köln-Mülheim und MGV Eintracht 1880 Köln-Stammheim begingen das 125-bzw. 100-jährige Bestandsjubiläum.

Am 1. Internationalen Kölner Chorfest am 14.3.1981 im Kölner Gürzenich waren außer den beiden ausländischen Vereinen Chorale A Coeur Joie Waffignies (Frankreich) und dem holländischen Kgl. Kerkrader Männerchor St. Lambertus 20 Kölner Chöre beteiligt. Der MGV Köln-Vingst 1881 konnte auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken.

Ab sofort nur noch zentrale Jubilarenehrungen durchzuführen, wurde beim Kreissängertag am 14.5.1982 im Merkens-Saal der Industrie- und Handelskammer beschlossen. Der MGV Concordia Köln-Niehl 1882 feierte die 100. Wiederkehr seiner Gründung. Das 2. Internationale Kölner Chorfest am 17.4.1982 im Kölner Gürzenich wurde vom Kgl. MGV Marienchor Eupen (Belgien>, dem Kgl. Kerkrader Männerchor St. Lambertus (Niederlande), der Kölner Kurrende und dem Männerchor Eintracht Porz 1879 gestaltet.

Der Kreissängertag am 19.3.1983 in der ,,Wolkenburg" erlebte die siebte Wiederwahl von Karl Weissenberg zum Kreisvorsitzenden. Am 3. Internationalen Kölner Chorfest im Kölner Gürzenich am 26.11.1983 beteiligten sich außer dem Kgl. Gemischten Gesangverein St. Lucia Mierlo (Niederlande) 16 Kölner Chöre.

Komponist und Chorleiter Quirin Rische erhielt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und der Sänger Willi Wirtz vom MGV Kölner Liederkreis Apollo 1849 die Bundesverdienstmedaille.

Auf dem Kreissängertag am 23.2.1985 wurde den Vereinsvertretern bekannt gegeben, dass eine neue Satzung in Vorbereitung ist. Ehrenvorsitzender Hermann Eisenbarth vom MGV Eintracht 1880 Köln-Stammheim wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Die neue Satzung, die einen geschäftsführenden Vorstand mit Präsident, Vizepräsident, Geschäftsführer, Schatzmeister und Rechtsberater sowie den Fortfall der Bezirksgruppeneinteilung vorsieht und heute noch Gültigkeit hat, wurde auf dem Kreissängertag am 1.3.1986 in der,, Wolkenburg" bei 2 Gegenstimmen und einer Enthaltung angenommen. Wie nicht anders zu erwarten, wählten die Vereinsvertreter auf der Fortsetzung des Kreissängertages am 21.6.1986 zum achten Mal Karl Weissenberg nunmehr zum KSV-Präsidenten.

100 Jahre alt wurde der Gesangverein Gutenberg Köln 1886.

Für die Verdienste seines MGV 1919 Köln-Dünnwald um die Bürgerinitiative ,,Deutsche Krebshilfe" erhielt der Vorsitzende Peter Esser 1987 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Heinz Doering (Polizeichor Köln 1902>, seit 16 Jahren Präsidiumsmitglied, musste infolge seiner schweren Erkrankung auf die Weiterführung der KSV-Geschäfte verzichten. Auf dem Kreissängertag, ohne Vorstandswahl am 24.3.1990 im Kölner ,,Senats-Hotel", wurde Klaus Schulz von der Sängervereinigung Loreley 1901 Köln-Bayenthal in Ergänzung zum Kreis-Geschäftsführer gewählt. Heinz Doering war für seine Verdienste bereits 1986 mit der August-von-Othegravern-Plakette in Gold ausgezeichnet worden.

Vom 10. bis 19.5.1991 fand in Köln das Rheinische Musikfest statt. Das von der KSV Köln im großen Saal des Gürzenich veranstaltete Konzert wurde von 13 Mitgliedschören bestritten.

Johannes Schiffgen, der Präsident des KHD-Chores Köln 1946, wurde vom Oberbürgermeister Norbert Burger mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet.

KSV- Präsident Karl Weissenberg konnte am 15.2.1992 insofern ein gewisses Jubiläum feiern, als er auf dem Kreissängertag in der Mensa der Höhenberger Hauptschule Nürnberger Straße, zum zehnten Mal in Folge an die Spitze der KSV Köln wieder gewählt wurde.

Am 7.5.1992 starb mit 77 Jahren der Ehren-Kreischorleiter Ferdinand Sigge. Der verdiente und beliebte Dirigent verschiedener Kölner Chöre (u.a. MGV Rheinmelodiker 1939, Quartettverein Köln-Longerich 1902, MGV Köln-Höhenberg 1879), von 1971 bis 1980 Chorleiter der KSV Köln, erhielt für seine Verdienste 1974 die August-von-Othegraven-Plakette in Gold.
Nachdem die Bewerbungen der Kölner Sängerschaft um die Durchführung des 8. Deutschen Sängerbundfestes 1907, des 14. DSB-Chorfestes 1956 und des 17. DSB-Chorfestes 1976 in der Domstadt nicht zum Erfolg geführt hatten, war die KSV Köln endlich für die Tage vom 28. bis 31.5.1992 mit der Ausrichtung des 19. Bundes-Chorfestes beauftragt worden. 40.000 aktive Sänger aus 550 Chören verwandelten das ,,hillige Kölle" vier Tage lang in eine singende Stadt. In 19 Sonder- und Gemeinschafts- sowie über 600 Stundenkonzerten auf den Plätzen, Straßen, Krankenhäusern, Altenheimen, Aulen und Kirchen wurden Volkslieder, Opernchöre, Melodien aus Operetten und Musicals, Werke der geistigen und weltlichen Chorliteratur von etwa 400 Komponisten zu Gehör gebracht. Als besonders zugkräftig erwiesen sich die Konzerte der Liedertafel Tokyo und des Pacific Sängerbundes San Francisco, deren Auftritte im überfüllten großen Saal des Gürzenichs dem begeisterten Zuhörerkreis unvergesslich bleiben dürften. Sogar die Stehplätze wurden knapp bei den Sonderkonzerten des Kölner MGV 1842 und der weiteren 27 Chöre der KSV Köln im Gürzenich. Ein Sängerfest wie in Köln hat es in der 130-jährigen Geschichte des Deutschen Sängerbundes noch nicht gegeben und wird auch in Zukunft in dieser Größenordnung von keiner Stadt weder finanziell noch unterkunftsmäßig durchzuführen sein, erklärte KSV-Präsident Karl Weissenberg in der ersten Präsidiumssitzung nach der Veranstaltung. Lob spendete er den 130 Organisationshelfern der KSV die zwar hervorragendes geleistet hätten, bei der Danksagung des DSB-Präsidenten aber vergessen wurden

Das Jahr 1993 wurde überschattet durch den plötzlichen und unerwarteten Tod von KSV-Präsident Karl Weissenberg am 22. April. Das Präsidium bestellte im Mai 1993 Sigrid Broßwitz vom Frauenchor Singgemeinschaft ,80, die seit 1989 als Beisitzer und ab 1990 auch als Jugendreferentin dem Kreisvorstand angehörte, einstimmig zur kommissarischen Präsidentin bis zur turnusmäßigen Neuwahl des Vorstandes im Jahre 1995.
Der Vorsitzende der Sängervereinigung Loreley 1901 Köln-Bayenthal, Johann Baptist Amon, wurde durch die Verleihung der Bundesverdienstmedaille geehrt.

Beim Kreissängertag am 29.4.1995 in der Hauptschule Köln-Höhenberg, Nürnberger Straße, wurde die designierte KSV- Präsidentin Sigrid Broßwitz bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung gewählt.

An dem vom WDR und der Stadt Köln veranstalteten Rheinischen Musiktest 1996 beteiligten sich von den 61 Chören des KSV Köln 13 Gesangvereine. Unter dem Motto ,,In Köln unterwegs' hatten die Kölner Chöre in den 10 Tagen vom 17. bis 26.5. insgesamt 26 Auftritte im Hotel Maritim (5), Bazaar de Cologne (4), Rathaus Porz (3), Albertus-Magnus-Gymnasium. Historischen Rathaus und in St. Maria im Kapitol (je 1).

Im Alter von 60 Jahren verstarb am 27.3.1997 der langjährige Chorleiter des MGV Worringen 1848 und MGV Rheinmelodiker 1939, Chordirektor Winfried Schönberg. Für sein musikalisches Engagement wurde er 1996 mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet.

Einen weiteren Verlust erlitt die Kölner Sängerschaft durch den Tod des ehemaligen KSV-Vorstandsmitgliedes Fritz Wagner (91 Jahre) am 2.11.1997. Nach Präsident Karl Weissenberg war er mit 26 Jahren Ehrenamt als Schatzmeister von 1954 bis 1980 das drittlängst tätige Präsidiumsmitglied der KSV.
Seine Verdienste um den Chorgesang im allgemeinen und als Kreisschatzmeister im besonderen wurden mit der August-von-Othegraven-Plakette in Gold (1964), der Echt Goldenen Ehrennadel des Sängerbundes NRW (1981) und der Bundesverdienstmedaille honoriert. 
Mit 2047 Aktiven in 57 Chören feierten die Kölner Sänger/innen in 1998 die 50. Wiederkehr der Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg feiern.

Im Jubiläumsjahr 1998 sollte vor allem an diejenigen KSV-Vorstandsmitglieder erinnert werden, die nach der Wiedergründung 1947 am längsten für das Chorwesen ehrenamtlich tätig waren. Nach Präsident Karl Weissenberg mit 31 Jahren von 1962 bis 1993, Kreisschatzmeister Fritz Wagner mit 26 Jahren von 1954 bis 1980, Kreis-Geschäftsführer Hans Müller mit 19 Jahren von 1955 bis 1974, Kreis-Geschäftsführer Heinz Doering mit 16 Jahren von 1974 bis 1990 und Kreis-Pressewart Heinz Alexa mit 15 Jahren von 1980 bis 1995 ist das vor allem unsere Kreis-Jugendchorleiterin Elfriede Ehlers, die seit 1968 ununterbrochen im Vorstand der KSV Köln wirkungsvoll tätig ist und daher zusammen mit dem 50-jährigen KSV-Jubiläum ihr 30-jähriges Vorstandsjubilaum feiern kann.

Theo Schäfer
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